Michael Link

Politische Gespräche in den USA: Nicht in Anti-Amerikanismus verfallen

(Foto: C. Gramckow)

Als überzeugter Transatlantiker betrachte ich mit Sorge, wie der amerikanische Präsident Donald Trump die Wahrheit biegt, Verträge ignoriert, das Recht des Stärkeren predigt und mit Verbündeten redet, als kämen sie aus Schurkenstaaten. Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, Freundschaft und Zusammenarbeit mit Partnern abseits des Weisen Haus zu pflegen, etwa mit Abgeordneten der republikanischen und demokratischen Partei, mit Gouverneuren, Experten aus Denkfabriken und der Wirtschaft. 

Friedrich-Naumann-Stiftung eröffnet Transatlantisches Freiheitsforum

Um diesen Austausch zu stärken, habe ich als designiertes Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit das Transatlantische Freihandelsforum initiiert. Dort wollen wir uns regelmäßig über transatlantische Fragen austausche, etwa zum Freihandel oder zur Lösung internationaler Konflikte. Mitte Julie war ich zur Eröffnung des ersten Transatlantischen Freiheitsforums in der amerikanischen Hauptstadt und habe dort gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Freien Demokraten, Christian Lindner, meinem Abgeordneten-Kollegen Alexander Graf Lambsdorff und dem designierten Vorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung, Karl-Heinz Paqué politische Gespräche geführt. Getroffen haben wir, u.a. die Senatoren Ben Cardin (Demokrat, Maryland) und Roger Wicker (Republikaner, Mississippi), sowie die Kongressabgeordneten Chellie Pingree (Demokratin, Maine) und Richard Hudson (Republikaner, North Carolina).

Starke Institutionen statt Recht des Stärkeren

Dort habe ich eine klare Botschaft gesendet: Das letzte, was wir Europäer tun sollten, ist in Anti-Amerikanismus zu verfallen. Transatlantiker werden gerade jetzt gebraucht; denn die USA sind vielfältiger, bunter und weltoffener als ihr gegenwärtiger Präsident, und sie haben eine Verfassung mit starken Parlamentsrechten und Bundesstaaten.

Gegen Alleingänge vermeintlich starker Anführer wie Donald Trump müssen wir umso mehr auf starke Institutionen setzen. Denn multilaterale Handelsforen (zum Beispiel die Welthandelsorganisation oder die G7) und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen haben wir aus einem ganz einfachen Grund: weil in unserer hypervernetzten Welt Alleingänge die Sicherheit aller aufs Spiel setzen. Gerade die EU muss in diesen Zeiten selbstbewusst auftreten und die multilaterale Weltordnung verteidigen, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit den USA aufgebaut haben. Unsere Gespräche in Washington haben gezeigt, dass wir weiterhin viele amerikanische Partner dafür an unserer Seite haben.